Gott ist kein Geschäft – Miro Wittwer, Kathryn Krick und GeorDavie

Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebt es auch. (Matth. 10,8)

Miro Wittwer, Kathryn Krick, GeorDavie

Miro Wittwer leitet die Love Church Switzerland und verkauft teure Kurse und Mentorings für Christen.

Sein „geistlicher Vater“ ist der umstrittene tansanische Prophet GeorDavie, der auch Kathryn Krick „gesalbt“ hat. Was steckt hinter dem Geschäftsmodell, und was sagt die Bibel dazu? Eine Prüfung mit Quellen und 45 Fragen, von denen Wittwer nur 9 beantwortet hat.

Miro Wittwer gehört zu den bekanntesten christlichen Influencern der Schweiz. Er nennt sich „Apostel“, leitet die Love Church Switzerland in Wallisellen bei Zürich und erreicht nach eigenen Angaben Millionen Menschen online. Gleichzeitig verkauft er Kurse, Mentorings und Ausbildungen für Christen. In meinem Video und in diesem Beitrag schaue ich mir an, was er lehrt, wie sein Dienst finanziert wird und wer seine geistlichen Bezugspersonen sind. Mein Maßstab ist die Bibel, so wie es die Christen in Beröa taten: „sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf, indem sie täglich die Schriften untersuchten, ob dies sich also verhielte“ (Apostelgeschichte 17,11).

Alles, was ich hier schreibe, ist mit Quellen belegt. Miro Wittwer hatte vorab Gelegenheit zur Stellungnahme.

Wer ist Miro Wittwer?

Nach Angaben der kirchlichen Fachstelle Relinfo, die sich auf Wittwers eigene Schilderungen stützt, arbeitete er zunächst in einer Bank, machte sich dann als Coach selbstständig und ließ sich in Hypnose ausbilden. 2023 erschien sein esoterisches Buch „Transformation – Wie du dich selbst heilst, deine Berufung findest und das Leben deiner Träume kreierst“ im Giger Verlag.

Im April 2023 erlebte er nach eigenen Angaben auf Ibiza seine Bekehrung. Seitdem tritt er als Evangelist auf, veranstaltet den „Day of Transformation“ und hat 2026 die Love Church Switzerland gegründet. Auf der Website der Kirche heißt es, er sei „Am 29. März 2026 … auf den Philippinen vor Hunderten von Christen durch einen Propheten zum Apostel berufen“ worden. Wer dieser Prophet ist, steht dort nicht, wohl aber auf Wittwers Instagram-Kanal.

Das Geschäft mit dem Glauben

Neben der Kirche betreibt Babychrist Wittwer (erst rund 3 Jahre im Glauben) mehrere kostenpflichtige Angebote. Auf seinen eigenen Seiten habe ich unter anderem diese Preise gefunden:

  • Mentoring Masterclass: EUR 1.798.–, alternativ 12 Raten à EUR 179.–. In Raten sind das zusammen 2.148 Euro. Stand Anfang Okt. 2026. Beworben wird sie mit dem Satz: „Dein Dienst darf Frucht bringen. Geistlich und finanziell – mit 5-stelligen Umsätzen.“
  • Wealth for His Kingdom: Heute $499.– statt $999.–. Modul 4 trägt den Titel „Dunkle spirituelle Verträge brechen“. Dort sollen „Verträge mit Mammon, Religion, Armut und Mangel“ gebrochen und „Generationenflüche“ beendet werden.
  • Christian Brand Academy: eine dreijährige Ausbildung. Den Preis nennt die Website nicht, er werde „im Bewerbungsgespräch individuell besprochen“. Dort geht es darum, innerhalb von 3 Monaten bis 3 Jahren 30.000+ Euro monatlich (Zielwert) zu verdienen, sowie „innere Blockaden und Glaubenssätze aufzulösen“.

Kostenlos sind dagegen die Heilungssessions. Auf der Seite „Warteliste Heilung“ heißt es: „Er kann nicht heilen. Gott heilt. Er betet und Gott heilt. Kein Heilversprechen.“ Und weiter: „Da Miro Wittwer die Gabe kostenlos bekommen hat, gibt er es auch kostenlos weiter.“ Dazu wird Matthäus 10,8 angeführt. Im Gottesdienst sagt er aber „I declare Healing!“

Die Firma in Delaware

Vertragspartner für Kurse, Seminare und Mentorings ist laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen die „Make God Known LLC, Inhaber Miro Wittwer“ mit Sitz in Dover, Delaware (USA). Es gilt das Recht von Delaware. Wer sich wieder abmelden will, braucht ein „schriftliches Gesuch mit triftigen Gründen“ per Post in die USA. Die AGB halten ausdrücklich fest: „Gesuche in Form von E-Mails werden abgelehnt.“ Wer während einer laufenden Ausbildung aussteigt, schuldet „100% der Seminarkosten“.

Bei der Love Church Switzerland wird es unübersichtlich. Auf der Spendenseite steht: „Als gemeinnützige Kirche stellen wir dir auf Wunsch gerne eine Spendenbescheinigung aus.“ Die eigene Impressum-Seite der Kirche nennt eine Adresse in Wallisellen, die Fußzeile einen „Verein Love Church Switzerland“. Wer aber in genau dieser Fußzeile auf „Impressum“ klickt, landet auf Wittwers persönlicher Website, und dort steht wieder die US-Firma in Delaware. Dies ist im Video genau zu sehen (https://www.youtube.com/watch?v=zFBIzNpN8Pk). Der Hauptspendenbutton führt zu einer Zahlungsseite, auf der als Empfänger „Miro Wittwer“ angezeigt wird. Im Schweizer Handelsregister habe ich keinen Eintrag zur Love Church gefunden. Ein Verein muss sich dort nicht eintragen lassen. Wer die Spenden tatsächlich erhält und ob die Kirche steuerlich als gemeinnützig anerkannt ist, bleibt offen. Genau danach habe ich gefragt, eine Antwort habe ich nicht erhalten.

„Umsonst habt ihr empfangen“ – was die Bibel sagt

Wittwer beruft sich für die kostenlosen Heilungen auf Matthäus 10,8. In seiner Antwort an mich schreibt er, dieser Vers beziehe sich nur auf Heilung und Dämonenaustreibung, nicht auf die Lehre. Lehrer dürften nach Galater 6,6 bezahlt werden.

Der Zusammenhang zeigt etwas anderes, denn der Auftrag beginnt mit der Verkündigung: „Indem ihr aber hingehet, prediget und sprechet: Das Reich der Himmel ist nahe gekommen. Heilet Kranke, [wecket Tote auf,] reiniget Aussätzige, treibet Dämonen aus; umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebet. Verschaffet euch nicht Gold noch Silber noch Kupfer in eure Gürtel, keine Tasche auf den Weg, noch zwei Leibröcke, noch Sandalen, noch einen Stab; denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert.“ (Matthäus 10,7-10)

Versorgung ja, Tarife nein. Und selbst nach Wittwers eigener Lesart müsste Befreiung kostenlos sein. Sein Kurs „Wealth for His Kingdom“ verkauft aber genau das: das Brechen von Flüchen und „dunklen spirituellen Verträgen“.

Galater 6,6 lautet: „Wer in dem Worte unterwiesen wird, teile aber von allerlei Gutem dem mit, der ihn unterweist.“ Das ist freiwilliges Teilen in der Gemeinde, kein Festpreis mit 100-Prozent-Klausel und Gerichtsstand in den USA. Paulus hätte ein Recht auf Unterhalt gehabt und hat bewusst darauf verzichtet: „Was ist nun mein Lohn? Daß ich, das Evangelium verkündigend, das Evangelium kostenfrei mache“ (1. Korinther 9,18).

Als Simon die Gabe kaufen wollte, durch Handauflegung den Heiligen Geist zu vermitteln, antwortete Petrus: „Dein Geld fahre samt dir ins Verderben, weil du gemeint hast, daß die Gabe Gottes durch Geld zu erlangen sei!“ (Apostelgeschichte 8,20). Und Paulus warnt vor Menschen, „welche meinen, die Gottseligkeit sei ein Mittel zum Gewinn“ (1. Timotheus 6,5).

Der „geistliche Vater“: GeorDavie

Auf Instagram schrieb Wittwer im Mai 2026: „I want to honor my new spiritual father, Prophet Dr. Geordavie.“ Und weiter: „Recently in the Philippines, Prophet Dr. Geordavie anointed my wife Lucia and me, and through him, God called me to serve as an Apostle of Jesus Christ.“ Im dazugehörigen Instagram-Video ist zu sehen, wie GeorDavie Miro Wittwer Salböl auf den Kopf gibt. GeorDavie hat Wittwer also nicht nur geistlich geprägt, sondern ihn auch gesalbt. Durch ihn sei er, so Wittwer, zum Apostel berufen worden.

Moses Kasambale GeorDavie ist ein tansanischer Prediger, der sich „Prophet“ nennt. International bekannt ist er vor allem als geistlicher Vater einer amerikanischen Predigerin, die er ebenfalls gesalbt und zur Apostelin berufen hat.

Kathryn Krick

Kathryn Krick leitet die Five-Fold Church in Los Angeles und hat Millionen Follower. Auch sie wurde von GeorDavie gesalbt und nennt ihn ihren „spiritual father“. Wittwer und Krick haben also denselben geistlichen Vater.

Wittwer war im Mai 2026 auf ihrer Konferenz in Los Angeles und schrieb danach: „I want to speak for Apostle Kathryn Krick. My wife and I have been studying her work and ministry for several years now.“ Christen, die Krick kritisieren, warf er Neid vor und sprach von einer „Pharisee expose-ministry“.

Die Vorwürfe gegen GeorDavie

Am 6. August 2026 veröffentlichte das Guru Magazine einen ausführlichen Bericht. Mehrere Frauen werfen GeorDavie darin sexuelle Übergriffe vor. All das kommt auch im Video vor: https://www.youtube.com/watch?v=zFBIzNpN8Pk. Außerdem soll Krick schon 2018 von Vorwürfen gewusst haben. GeorDavie hat alle Vorwürfe am 12. August 2026 kategorisch bestritten. Krick hat sich öffentlich hinter ihn gestellt.

Wichtig ist mir: Wittwers Instagram-Beiträge stammen aus der Zeit vor diesem Bericht. Ich werfe ihm nicht vor, etwas gewusst zu haben. Die faire Frage lautet: Wie steht er heute zu seinem „geistlichen Vater“? Genau diese Frage habe ich ihm gestellt. Er hat sie nicht beantwortet. Er sollte seine „Salbung“ durch solch einen Mann für nichtig erklären.

45 Fragen – 9 Antworten

Am 27. September 2026 habe ich Miro Wittwer 45 Fragen geschickt, elf davon waren Kernfragen. Ein Interview bot er nur unter der Bedingung an, dass es vollständig und ungekürzt veröffentlicht wird. Ich habe ihn deshalb gebeten, schriftlich zu antworten.

Er hat 9 der 45 Fragen beantwortet, aber keine einzige der elf Kernfragen. Unbeantwortet blieben unter anderem die Fragen zur Firma in Delaware, zu den Spenden, zur Heilung, zu GeorDavie und zu Kathryn Krick. Fairerweise: Er hat klargestellt, dass er nie Psychotherapeut war, und erklärt, die Kurse finanzierten die Verbreitung des Evangeliums.

Seine Mail endete mit einer Warnung: „Fokussieren Sie sich auf die Irrlehrer. Nicht auf die gesalbten Männer Gottes, die ihr ganzes Leben für Jesus aufgegeben haben.“ Dazu zitierte er Psalm 105,15. Im Video ist der ganze Fragenkatalog und seine Antworten zu sehen.

„Tastet meine Gesalbten nicht an“?

Psalm 105,15 lautet: „Tastet meine Gesalbten nicht an, und meinen Propheten tut nichts Übles!“ Im Zusammenhang geht es um die Erzväter Abraham, Isaak und Jakob, die Gott auf ihrer Wanderschaft vor Übergriffen fremder Könige schützte. Es geht um Schutz vor Gewalt, nicht um ein Verbot, Lehre zu prüfen.

Im Neuen Testament gibt es keine Klasse unantastbarer Gesalbter. Allen Gläubigen gilt: „Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wisset alles“ (1. Johannes 2,20). Und allen gilt der Auftrag zu prüfen: „prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1. Thessalonicher 5,21) und „Geliebte, glaubet nicht jedem Geiste, sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind“ (1. Johannes 4,1). Selbst Petrus wurde öffentlich korrigiert: „widerstand ich ihm ins Angesicht“ (Galater 2,11). Die Gemeinde in Ephesus wird ausdrücklich gelobt: „du hast die geprüft, welche sich Apostel nennen, und sind es nicht, und hast sie als Lügner erfunden“ (Offenbarung 2,2).

Wer sich auf einen Apostel-Titel beruft, muss sich also prüfen lassen. Und Prüfen setzt Offenheit voraus.

Was im Gottesdienst geschieht

Ich habe mir den Livestream „So gewinnst du den spirituellen Kampf“ der Love Church angesehen. Einige Beobachtungen:

  • Kritik an Kritikern: Wittwer sagt, der Gegner nutze „aktuell ganz viele Christen, um andere Christen nach unten zu ziehen“. Als Vorbilder, die „nie auf die Idee gekommen“ wären, andere öffentlich zu kritisieren, nennt er Kathryn Kuhlman und Oral Roberts. Später heißt es: „Nur weil es hier nicht drin steht, heißt nicht, dass es nicht wahr ist.“ Paulus schreibt dagegen: „auf daß ihr an uns lernet, nicht über das hinaus [zu denken], was geschrieben ist“ (1. Korinther 4,6).
  • Heilung für alle: Am Ende spricht Wittwer allen Anwesenden und Zuschauern Heilung zu: „Fasse dich dort an, wo du Schmerz hast.“ Zuvor hatte er gelehrt, die Symptome seien weg, sobald das Herz verstanden habe, dass man gesund ist. Das steht in deutlicher Spannung zu „Kein Heilversprechen“ auf seiner Website.
  • Zungenrede ohne Ausleger: Bei der Handauflegung spricht Wittwer hörbar in Zungen. Die Bibel ordnet das für die Versammlung klar: „so sei es zu zwei oder höchstens drei und nacheinander, und einer lege aus. Wenn aber kein Ausleger da ist, so schweige er in der Versammlung, rede aber sich selbst und Gott.“ (1. Korinther 14,27-28). Und: „Alles aber geschehe anständig und in Ordnung.“ (1. Korinther 14,40)
  • Handauflegung, dann Kollekte: Wittwer erklärt: „In dem Moment, wo ich meine Hand auflege, geschieht etwas im geistigen Raum.“ Wenige Minuten später folgt: „Als nächstes gebe ich euch die Chance, einen Samen zu säen.“

Fazit

Dass Miro Wittwer Menschen von Jesus erzählt, bestreite ich nicht. Doch Dienst und Geschäft sind bei ihm so eng verbunden, dass Außenstehende es kaum durchschauen: Kurse mit geistlichen Versprechen, eine US-Firma hinter der Website, eine „gemeinnützige Kirche“ mit unklarer Trägerschaft und Spenden, die direkt an die Handauflegung anschließen. Dazu kommt ein geistlicher Vater, gegen den schwere Vorwürfe im Raum stehen, und eine Haltung, die Kritik als Angriff auf „Gesalbte“ abwehrt.

Gott ist kein Geschäft. Prüft selbst, wie die Beröer. Wer Rat sucht, findet ihn etwa bei der Fachstelle Relinfo oder beim Konsumentenschutz. Meine Einladung an Miro Wittwer, die offenen Fragen zu beantworten, gilt weiterhin.

Quellen

Miro Wittwer und Love Church (eigene Angaben)

Berichte und Einordnung

Bibel

  • Alle Bibelzitate im Haupttext: Elberfelder Übersetzung 1905 (gemeinfrei), bibel-online.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Vera

    Brauche ich gar nicht prüfen, denn seit ich das Übergabegebet sprach, verschwindet der ganze Unsinn aus meinem Leben😇🥰

    Kostenlos🙏

    Und Nein, es ist kein Wunder, sondern die Gnade von Jesus Christus🥰🙏

    Immer wenn ich glaubte, dass ich „Hilfe“ bräuchte für die ich früher „Heiler“ in Anspruch nahm, bete ich und nichts, absolut Nichts führte in der „Szene“ zu so schnellen Ergebnissen wie Jesus Christus🥳

    Letztes Jahr im Juli sah ich mich bereits sterben, doch Tag für Tag, befreit mich Gott und Jesus Christus von den vorherigen Irrglauben. Ich schäme mich sehr für den Quatsch den ich glaubte👎 … und kann es gar nicht mehr nachvollziehen🤷‍♂️

    Dieses Interview ist übrigens unglaublich stimmig👍

    Podcast: Wir wurden GAGA durch die Esoterik! Doch Jesus rettete und befreite uns

    Danke Jesus Christus🙏

    … übrigens gut, dass es diese Seite gibt👍

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