Jakob Lorber: Abschließende Bewertung
Warum sind Lorbers Lehren mit dem christlich-biblischen Glauben unvereinbar?
Der Abschluss der Serie prüft den Offenbarungsanspruch, biblische Warnungen vor Zusätzen sowie Verbreitung und Übersetzungen. Was war mit den Menschen vor Lorber, und wo wird seine Botschaft biblisch angekündigt?
Teil 10 der Artikelserie „Jakob Lorber kritisch betrachtet – nach Johanna Böhm“
Die bisherigen Beiträge haben Jakob Lorbers Anspruch, seine Lehren und problematische Aussagen anhand von Johanna Böhms Buch untersucht. Nun folgt die abschließende Beurteilung. Der Autor dieser Zeilen hält Lorbers Neuoffenbarung für unvereinbar mit dem christlich-biblischen Glauben. Sie ist aus seiner Sicht keine Offenbarung des wahren Gottes, sondern eine geistliche Verführung, die unter dem Namen Jesu ein anderes Gottesbild und einen anderen Heilsweg vermittelt.
Diese Bewertung betrifft den Inhalt und den Autoritätsanspruch der Schriften. Sie ist kein Urteil über den Wert oder die Aufrichtigkeit aller Menschen, die Lorber lesen. Gerade wer Gott sucht, soll wissen, weshalb diese Seite vor der Neuoffenbarung warnt.
Grundlage bleibt Böhms Untersuchung. Für diesen Abschluss kommen der Lorber-Eintrag im eigenen Lexikon, die nachfolgend genannten Bibelstellen und eine gesondert gekennzeichnete Recherche zur Verbreitung und zu Übersetzungen hinzu. Die Angaben zu heutigen Internetangeboten wurden am 20. Oktober 2026 geprüft.
Zur Übersicht der Artikelserie | Zurück zu Teil 9: Kritik, Gemeinschaft und Ausstieg
Der entscheidende Maßstab ist das Evangelium
Eine Schrift wird nicht dadurch zum Wort Gottes, dass sie häufig von Jesus, Liebe und Demut spricht. Entscheidend ist, ob sie mit dem biblischen Zeugnis über Gott und seine Rettung übereinstimmt. Auch Umfang, außergewöhnliche Entstehung oder ein starkes religiöses Gefühl können diese Prüfung nicht ersetzen.
Böhm stellt einen grundlegenden Gegensatz heraus: Im Evangelium begegnet Gott dem Menschen in Jesus Christus und versöhnt ihn durch dessen Erlösungswerk mit sich. In den von ihr untersuchten Lorberpassagen wird die Rettung dagegen an einen Weg der Selbstüberwindung, Willensunterwerfung und geistlichen Entwicklung gebunden.
Der Autor dieser Zeilen teilt Böhms christliche Gegenposition. Wir verdienen uns weder Jesu Liebe noch den Zugang zu Gott durch eine ausreichende Stufe geistlicher Vervollkommnung. Christus ist der Retter. Die Veränderung unseres Lebens ist die Frucht seiner Gnade und unseres Vertrauens auf ihn, nicht ein Kaufpreis für seine Zuwendung.
Galater 1,8 macht deutlich, dass auch die Berufung auf einen übermenschlichen Boten ein anderes Evangelium nicht legitimiert. Entsprechend darf eine Stimme, die sich als Jesus ausgibt, nicht über das Evangelium gestellt werden.
Grundlage: Böhm, S. 211–220 und 261–275; ergänzend Galater 1,8 und der Lorber-Eintrag im Lexikon dieser Seite. Ausführlicher dazu: Teil 4 – Jesus, Kreuz und Erlösung.
Gottes Worte dürfen nicht eigenmächtig verändert werden
Die Warnung vor eigenmächtigen Zusätzen begegnet an verschiedenen Stellen der Bibel. Sie betrifft nicht nur das Wegnehmen unbequemer Aussagen. Auch das Hinzufügen eigener Worte unter göttlicher Autorität wird zurückgewiesen.
„Das ganze Wort, das ich euch gebiete, das sollt ihr bewahren, um es zu tun; du sollst nichts zu ihm hinzufügen und nichts von ihm wegnehmen!“
5. Mose 13,1; je nach Verszählung auch 5. Mose 12,32.
„Ihr sollt nichts hinzufügen zu dem Wort, das ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon wegnehmen, damit ihr die Gebote des HERRN, eures Gottes, haltet, die ich euch gebiete.“
5. Mose 4,2.
Diese Aussagen fordern Treue zu dem, was Gott geboten hat. Ein menschlicher Lehrer darf sich nicht selbst ermächtigen, Gottes Wort nach seinen Vorstellungen zu erweitern oder umzuschreiben. Im anschließenden Zusammenhang von 5. Mose 13 wird sogar ein eindrucksvolles Zeichen nicht als ausreichende Beglaubigung eines Verführers behandelt.
„Alle Reden Gottes sind geläutert; er ist ein Schild denen, die ihm vertrauen. Tue nichts zu seinen Worten hinzu, damit er dich nicht bestraft und du als Lügner dastehst!“
Sprüche 30,5–6.
Hier steht das Vertrauen auf Gottes bewährtes Wort der Anmaßung gegenüber, ihm eigene Zusätze beizugeben. Gerade die Behauptung, ein Mensch empfange noch reinere oder vollständigere Worte Gottes, verlangt deshalb eine Prüfung. Sie kann sich nicht selbst bestätigen.
„Fürwahr, ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen.“
Offenbarung 22,18–19. Die vier vorstehenden Zitate folgen dem vom Seitenautor bereitgestellten Wortlaut.
Diese letzte Warnung bezieht sich oberflächlich betrachtet auf das prophetische Buch der Offenbarung. Wir dürfen es aber als Hinweis auf die gesamte Bibel verstehen. Und selbst wenn nicht, gibt es weitere Bibelstellen mit der selben inhaltlichen Aussage, siehe oben.
Gemeinsam bezeugen die Stellen einen ernsten Maßstab: Niemand darf seine eigenen Aussagen als Gottes Worte ausgeben und das Empfangene eigenmächtig verändern. Bei Lorber geht es gerade nicht nur um eine Predigt, eine Auslegung oder eine persönliche Ermutigung. Seine Schriften lassen eine Stimme als Jesus sprechen und beanspruchen nach Böhms Untersuchung sogar, biblische Evangelien zu korrigieren und zu ersetzen. Diesen Anspruch weist der Autor zurück.
Zum Verhältnis von Lorber und Bibel: Böhm, S. 43–48 und 211–214; siehe auch Teil 3 – Lorber und die Bibel.
Eine Stimme mit dem Namen Jesu ist noch nicht seine Stimme
Lorber führte seine Niederschriften auf eine innere Stimme zurück. Aus christlicher Sicht beweist die Selbstbezeichnung dieser Stimme jedoch nicht ihren Ursprung. Auch christlich klingende Botschaften sind zu prüfen. Die entscheidende Frage ist nicht, für wen sich eine Stimme ausgibt, sondern was sie lehrt.
Der Autor dieser Zeilen beurteilt Lorbers Schriften als spiritistische beziehungsweise durch Channeling vermittelte und dämonisch inspirierte Botschaften. Er hält die darin sprechende Stimme nicht für den wahren Jesus Christus.
Der Lexikoneintrag dieser Seite nennt weitere Gegensätze: frühere leibliche Existenzen auf anderen Weltkörpern, Unterweisung durch Geister Verstorbener und die Erwartung weiterer Bekehrungsmöglichkeiten nach dem Tod. Der Autor lehnt diese Vorstellungen ab. Sie widersprechen dem hier vertretenen biblischen Verständnis von menschlichem Leben, Gericht und Rettung durch Christus. Hebräer 9,27 stellt das einmalige Sterben und das anschließende Gericht heraus.
Diese Kritik verlangt keine Verachtung der Menschen, die sich von solchen Texten angesprochen fühlen. Sie verlangt aber eine klare Unterscheidung zwischen dem biblisch bezeugten Christus und einer Stimme, die unter seinem Namen andere Lehren verbreitet.
Grundlage: der Lorber-Eintrag im Lexikon dieser Seite, Hebräer 9,27 und die in Teil 2 – Das „innere Wort“ behandelte Untersuchung.
Die inhaltlichen Einwände bleiben auch zusammen bestehen
Böhms Kritik hängt nicht an einer einzigen ungewöhnlichen Formulierung. Die vorhergehenden Beiträge haben mehrere voneinander unterscheidbare Prüfbereiche behandelt:
- Naturbehauptungen und Widersprüche: Die Schriften beanspruchen übermenschliches Wissen, enthalten nach Böhms Untersuchung aber unzuverlässige Erklärungen und widersprechende Darstellungen.
- Das Bild Jesu und der Umgang mit Schwächeren: Die behandelten Erzählungen und Erziehungsanweisungen rechtfertigen Härte, die der Autor nicht mit Jesu Zuwendung zu Kindern vereinbaren kann.
- Judenfeindliche Aussagen: Menschenverachtende Zuschreibungen werden mit angeblich göttlicher Autorität verbunden.
- Textänderungen: Spätere Eingriffe in Ausgaben lösen die Frage nach der Herkunft der problematischen Aussagen nicht.
- Geistliche Abhängigkeit: Wo menschliche Kundgaben unangreifbar werden, kann die Prüfung der Lehre als schuldhafter Widerstand gegen Gott erscheinen.
Einzelne richtige Gedanken oder hilfreiche Formulierungen heben diese Einwände nicht auf. Sie machen aus einer widersprechenden Gesamtlehre keine verlässliche Offenbarung Jesu.
Zusammenführung der Ergebnisse aus Böhm, S. 51–126, 159–162, 196–220 und 233–278; ausführlich in den Teilen 5 bis 9 dieser Serie.
Gottes Geschichte mit den Menschen beginnt nicht bei Lorber
Die Bibel erzählt von Gottes Handeln mit den Menschen seit der Schöpfung. Schon im Garten Eden begegnet Gott den Menschen. Später folgen seine Verheißungen an Abraham, die Geschichte Israels und das Reden der Propheten. Zur Zeit Jesu lagen die heiligen Schriften Israels längst vor. Das Neue Testament bezeugt Christus und die Verkündigung seiner Apostel.
Damit ist nicht gemeint, zu jeder Zeit hätten bereits alle späteren biblischen Bücher existiert. Gemeint ist der Zusammenhang: Gott beginnt seine Zuwendung zum Menschen nicht erst im 19. Jahrhundert neu. Nach dem christlichen Verständnis führt seine Heilsgeschichte zu Jesus Christus.
Hebräer 1,1–2 beschreibt den Übergang vom Reden Gottes durch die Propheten zum Reden durch den Sohn. In Lukas 24,27 deutet Jesus die Schriften von Mose und den Propheten her auf sich. Der Mittelpunkt ist Christus, nicht ein späterer Offenbarungsschreiber, dessen Bücher erst den eigentlichen Zugang zum Heil eröffnen müssten.
Biblische Bezugstexte: 1. Mose 3, Hebräer 1,1–2 und Lukas 24,27. Zur Unterscheidung von biblischem Zeugnis und Lorbers Diktatanspruch: Böhm, S. 223–232.
Wo wird Lorber von den alttestamentlichen Propheten angekündigt?
Hier liegt eine berechtigte Frage an die Neuoffenbarung: Wenn Lorbers Schriften für die Menschheit eine so zentrale göttliche Bedeutung besitzen sollen, wo kündigen die alttestamentlichen Propheten diesen Offenbarungsschreiber und die Notwendigkeit seiner Bücher an? Für eine solche konkrete Ankündigung wird in den hier untersuchten Begründungen kein tragfähiger biblischer Nachweis erbracht.
Böhm beschreibt stattdessen, wie die Verheißung des Heiligen Geistes aus Johannes 14,26 auf die Neuoffenbarung bezogen wird. Auch die Lorber-Gesellschaft verbindet das „Große Evangelium Johannes“ in ihrer Werkübersicht mit dieser Stelle und mit Johannes 21,25.
Diese Bezugnahmen beweisen die behauptete Zuordnung nicht. Johannes 14,26 spricht von der Sendung des Heiligen Geistes und dem Erinnern an Jesu Worte. Die Stelle nennt weder Jakob Lorber noch die Entstehung seiner Bücher im 19. Jahrhundert. Johannes 21,25 sagt, dass Jesu Wirken nicht vollständig niedergeschrieben wurde. Daraus folgt ebenfalls nicht, dass eine bestimmte spätere Schrift die fehlenden zuverlässigen Worte Jesu enthalten müsse.
Das logische Problem ist deutlich: Zuerst wird Lorbers göttlicher Anspruch vorausgesetzt; anschließend werden allgemeine biblische Aussagen so gelesen, dass sie ihn bestätigen sollen. Eine unabhängige biblische Beglaubigung ist damit nicht gewonnen.
Natürlich muss nicht jeder spätere christliche Lehrer namentlich im Alten Testament vorhergesagt sein. Die fehlende Namensnennung allein beweist deshalb keine Irrlehre. Lorber beansprucht nach Böhms Untersuchung aber gerade mehr als die Rolle eines Lehrers: Seine Neuoffenbarung wird mit der Wiederkunft Christi verbunden und gegen die biblischen Evangelien gestellt. Wer einen solchen Anspruch erhebt, muss die behauptete biblische Grundlage zeigen können. Sie bloß in den Text hineinzulesen genügt nicht.
Grundlage: Böhm, S. 43–48; ergänzend die Werkübersicht der Lorber-Gesellschaft mit ihren Verweisen auf Johannes 14,26 und 21,25. Die kritische Auswertung ist die Stellungnahme des Autors.
Was war mit den Menschen, die vor Lorber lebten?
Lorbers Niederschriften entstanden ab 1840. Abraham, die Propheten, die Apostel und viele Generationen von Christen konnten diese Bücher nicht lesen. Sie hatten nicht bloß Schwierigkeiten, eine seltene Ausgabe zu beschaffen: Die Schriften existierten noch nicht.
Die Bibel selbst stellt Abraham als Glaubenden dar, dem Gott Gerechtigkeit zurechnet. Römer 4 führt dieses Beispiel aus und verbindet es mit dem Glauben an den Gott, der Jesus von den Toten auferweckt hat. Die biblische Begründung führt nicht zu einer künftig notwendigen Annahme von Lorbers kosmischen und jenseitigen Erklärungen.
Man darf dabei die Frage nach Gottes Heil vor dem Kommen Christi nicht mit dem Zugang zu Lorbers Büchern gleichsetzen. Das Neue Testament selbst ordnet die frühere Glaubensgeschichte auf Christus hin ein. Eine entsprechende biblische Begründung dafür, Lorbers späteren Schriften eine notwendige Heilsfunktion zu geben, ist hier gerade nicht nachgewiesen.
Wer Lorbers Neuoffenbarung zur notwendigen Korrektur des christlichen Glaubens macht, muss deshalb zwei Möglichkeiten bedenken:
- Menschen konnten Gott auch ohne Lorber vertrauen und von ihm angenommen werden. Dann sind seine Bücher keine unerlässliche Grundlage des Heils. Ihr Anspruch, den biblischen Glauben durch eine notwendige neue Lehre ersetzen zu müssen, ist damit nicht begründet.
- Ohne Lorbers zusätzliche Lehre fehlte etwas für das Heil Unverzichtbares. Dann muss erklärt werden, weshalb Generationen vor 1840 diese Voraussetzung überhaupt nicht erfüllen konnten und wo die Bibel eine solche spätere Voraussetzung ankündigt.
Eine weitere Auskunft oder hilfreiche Auslegung könnte spät erscheinen, ohne damit automatisch falsch zu sein. Die Schwierigkeit entsteht dort, wo aus dem späten Zusatz eine göttlich notwendige Korrektur des Evangeliums oder gar die Wiederkunft Christi gemacht wird. Genau diesen hohen Anspruch muss die Neuoffenbarung rechtfertigen.
Biblischer Bezugstext: Römer 4, besonders Verse 1–5 und 23–25; zum Anspruch der Neuoffenbarung: Böhm, S. 43–48 und 211–218.
Wie weit sind Lorbers Schriften tatsächlich verbreitet?
Die folgenden Angaben beruhen auf zusätzlicher Recherche, nicht auf einer Fortschreibung von Böhms Buch.
Die Lorber-Gesellschaft nennt 18 Übersetzungssprachen, ausdrücklich für ganz oder teilweise erhältliche Werke: Bulgarisch, Englisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Lettisch, Litauisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Slowenisch, Spanisch und Tschechisch. Deutsch kommt als Ausgangssprache hinzu.
Die Angabe bedeutet nicht, dass das Gesamtwerk in jeder dieser Sprachen vollständig vorliegt. Unter anderem Chinesisch, Arabisch und Hindi werden in dieser Liste nicht genannt. Daraus allein darf man nicht schließen, dass nirgends einzelne Übersetzungen in diesen Sprachen existieren. Eine vollständige Abdeckung großer Sprachgemeinschaften wird durch diese Übersicht aber nicht belegt.
Das englischsprachige Angebot der Gesellschaft umfasst zahlreiche PDF-Dateien, darunter die zehn Lorberbände des „Großen Evangeliums Johannes“. Die Schriften sind also international und auch kostenlos digital zugänglich. Der Verlag beschreibt zudem einen weltweiten Versand.
Eine belastbare weltweite Zahl tatsächlicher Leser, eine vollständige Statistik verbreiteter Exemplare oder ein Verzeichnis vollständig übersetzter Gesamtwerke ließ sich aus den hierfür ausgewerteten Seiten nicht gewinnen. Deshalb wird hier keine scheinbar genaue Reichweite behauptet. Versandmöglichkeit, Übersetzung, Download und tatsächliche Kenntnis sind unterschiedliche Dinge.
Der Vergleich mit der Bibel zeigt Reichweite – aber kein Popularitätsargument
Für die Bibel liegen konkrete Verbreitungsdaten vor. Nach dem am 28. Juli 2026 veröffentlichten Bericht von United Bible Societies verteilten die angeschlossenen Bibelgesellschaften im Jahr 2025 rund 22,4 Millionen gedruckte vollständige Bibeln. Neue Testamente und Auszüge werden daneben gesondert gezählt. Das ist eine Jahresleistung dieses Verbands, keine Gesamtzahl aller weltweit verbreiteten Bibeln. Quelle: UBS-Verbreitungsbericht 2025.
Ein weiterer UBS-Bericht nennt für Januar 2026 Bibeltexte in 2.444 Sprachen in der Digital Bible Library. Damit sind nicht 2.444 vollständige Bibelübersetzungen gemeint. Derselbe Bericht weist ausdrücklich auf weiterhin fehlende vollständige Bibeln in vielen Sprachen hin. Quelle: UBS-Übersetzungsbericht 2025.
Der Vergleich macht eine breite und dokumentierte internationale Verbreitung biblischer Texte sichtbar. Er erlaubt aber keine exakt berechnete Größenrelation zu Lorber, solange dafür keine gleichartigen Daten vorliegen.
Die stärkere Frage lautet deshalb: Wie rechtfertigt eine Neuoffenbarung ihren universalen Anspruch und ihre angebliche Notwendigkeit für Menschen, die historisch oder sprachlich gar keinen Zugang zu ihr hatten? Das ist mehr als eine Frage erfolgreicher Buchverbreitung.
Die Aussicht auf weltweite Ausbreitung steht bei Lorber selbst
Der Einwand gegen die begrenzte nachweisbare Reichweite wird noch gewichtiger, weil die Aussicht auf eine umfassende Ausbreitung nicht nur von Kritikern an Lorber herangetragen wird. Böhm zitiert aus dem „Großen Evangelium Johannes“, Band 9, Kapitel 94, eine Darstellung der Wiederkunft durch Menschen, denen neue Texte in die Feder gegeben würden.
Diese neue Art der Verbreitung solle die Lehre schneller und wirksamer zu allen Menschen der Erde bringen können. Der Text verbindet die Aussicht damit, dass Menschen künftig weithin lesen und schreiben könnten.
Hier liegt ein eigener Prüfpunkt der Neuoffenbarung. Aus vorhandenen Übersetzungen und weltweitem Versand folgt noch nicht, dass der weitreichende Anspruch eingelöst ist. Zugleich nennt die von Böhm zitierte Passage keinen festen Endtermin und spricht von einer Möglichkeit. Es wäre deshalb ungenau, aus der heutigen Lage allein eine bereits eindeutig gescheiterte, datierte Vorhersage zu machen.
Der Autor hält aber die Nachfrage für unausweichlich: Woran soll die Menschheit erkennen, dass gerade diese Bücher die maßgebliche neue Offenbarung oder Wiederkunft Christi sind, wenn weder eine konkrete biblische Beglaubigung noch ihre allgemeine Kenntnis vorausgesetzt werden kann? Der eigene göttliche Anspruch ist keine Antwort auf diese Frage.
Grundlage: Böhm, S. 44–45; dort Großes Evangelium Johannes, Band 9, Kapitel 94, Verse 2–5a.
Welche Begründungslücken bleiben?
Die Einwände lassen sich auf vier Fragen zuspitzen:
- Die biblische Beglaubigung: Wo wird die spätere Notwendigkeit der Lorberschriften tatsächlich angekündigt, statt nachträglich in allgemeine Verheißungen hineingelesen?
- Die Zeit vor Lorber: Wenn die zusätzliche Lehre unverzichtbar sein soll, wie konnten Glaubende vor 1840 ohne sie leben? Wenn sie nicht unverzichtbar ist, warum sollte sie das Evangelium korrigieren oder ersetzen dürfen?
- Der Zugang: Wie wird eine für alle Menschen beanspruchte neue Offenbarung denen gerecht, die ihre Sprache nicht verstehen, ihre Bücher nicht kennen oder zu Lebzeiten nicht kennen konnten?
- Der Inhalt: Warum sollten wir eine angeblich reinere Offenbarung annehmen, wenn ihre Aussagen dem Evangelium widersprechen und ihre problematischen Textstellen später bearbeitet werden müssen?
Diese Fragen sind nicht alle für sich ein formaler Gegenbeweis. Zusammen legen sie jedoch offen, welche Voraussetzungen unbewiesen bleiben. Vor allem führen sie zurück zur entscheidenden Frage: Stimmt die Lehre mit dem biblisch bezeugten Jesus Christus überein? Die in dieser Serie behandelten Inhalte geben dem Autor begründeten Anlass, das zu verneinen.
Abschließende christlich-biblische Beurteilung
Der Autor dieser Zeilen lehnt Lorbers Neuoffenbarung als mit dem christlich-biblischen Glauben unvereinbar ab. Er hält ihre Botschaften nicht für Worte des wahren Gottes, sondern für eine spiritistische und dämonisch inspirierte Verführung unter christlichen Begriffen. Maßgeblich sind dabei ihr widersprechender Inhalt und ihr unbegründeter Anspruch, mit göttlicher Autorität über das biblische Evangelium verfügen zu dürfen.
Die Fragen nach biblischer Ankündigung, früheren Generationen und weltweiter Zugänglichkeit verstärken die Kritik an ihrer behaupteten Notwendigkeit. Sie ersetzen jedoch nicht die Prüfung des Inhalts. Auch eine Übersetzung in viele weitere Sprachen würde eine falsche Lehre nicht wahr machen.
Christen müssen sich deshalb nicht zwischen Jesus Christus und einer angeblich höheren Erkenntnis entscheiden lassen. Unsere Hoffnung gründet in Jesus Christus, seinem Erlösungswerk und seiner Gnade. Sie benötigt weder eine nachträgliche Korrektur durch Lorbers Stimme noch ein geheimes Wissen über Weltkörper, Jenseitsstufen und geistige Entwicklung.
Wer Lorbers Schriften bisher vertraut hat, soll diese Fragen ohne Beschimpfung und ohne Angst prüfen dürfen. Die Zurückweisung einer falschen Offenbarung ist kein Verrat an Christus. Sie kann gerade bedeuten, dem biblischen Evangelium wieder den Vorrang zu geben.
Vorheriger Beitrag: Teil 9 – Kritik, Gemeinschaft und Ausstieg
Grundlage der Buchzusammenfassung: Johanna Böhm: Jakob Lorber – Eine kritische Durchsicht. 2011; besonders S. 43–48, 211–232 und 261–278 sowie die in den vorangehenden Beiträgen belegten Abschnitte. Als Bezugsseite der verwendeten PDF wurde jakoblorber.com angegeben. Abbildungen aus dem Buch werden nicht übernommen.
Ergänzungen für diesen Abschluss: der verlinkte Lorber-Eintrag im eigenen Lexikon, die angegebenen Bibeltexte sowie die jeweils unmittelbar verlinkten Eigendarstellungen von Lorber-Gesellschaft und Verlag und die Verbreitungs- und Übersetzungsberichte von United Bible Societies. Recherche zu den Internetangeboten: 20. Oktober 2026; statistische Bezugsjahre stehen bei den jeweiligen Zahlen. Eigenauskünfte zur Verbreitung wurden nicht als unabhängige Leserzählung oder als Nachweis göttlicher Herkunft behandelt.
Die abschließende christlich-biblische Wertung und die Argumentation zu den Begründungslücken sind die Stellungnahme des Autors dieser Seite. Sie werden nicht als bloße Wiedergabe von Böhms Position ausgegeben. Die historischen Lorberstellen aus ihrem Buch wurden nicht zusätzlich an den Originalhandschriften überprüft.
